
Ein klassischer mineralischer Terrazzoboden ist hohe Handwerkskunst. Sorgfältige Handarbeit, ausgesuchte Materialien, die genau aufeinander abgestimmt werden müssen und eine von Hand ausgeführte Gestaltung schaffen optisch einmalige Resultate.
Die Terrazzotechnik kam im Zuge der Gründerzeit, also etwa Ende des 19. Jahrhunderts, aus Italien nach Deutschland. Dies geschah vor allem durch italienische Handwerkerfamilien, die aufgrund wirtschaftlicher Notlagen in Italien nach Deutschland auswanderten. Sie brachten das Wissen und die handwerkliche Tradition des „Terrazzo alla Veneziana“ mit und begannen, diesen Bodenbelag in deutschen Wohnhäusern, Stadtvillen und Bauernhäusern zu verlegen. Bereits die Römer verwendeten Terrazzobeläge in ihren Bauwerken. Seine Strapazier- und Langlebigkeit sowie die dekorative Optik machten den Terrazzo beliebt für Treppenhäuser, Flure, Küchen und Bäder, aber auch für strapazierte Flächen in Gewerbebauten. Das Herstellen von klassischem Terrazzo erfordert auch heute noch ein hohes Maß an Erfahrung und handwerklichem Können für die richtige Rezeptur. Das Terrazzohandwerk zählt seit 2017 zum immateriellen Kulturerbe.
Zusammensetzung von mineralischem Terrazzo:
Das Bindemittel für Terrazzo ist grauer oder weißer Portlandzement. Eine farbige Pigmentierung des Zements ist ebenfalls möglich. Eine gute Terrazzorezeptur verleiht dem späteren Boden nicht nur eine brillante und unverwüstliche Oberfläche, sondern wirkt auch einer Rissbildung entgegen. Entscheidend ist, dass in der Rezeptur das Verhältnis zwischen Marmorkörnung, Feinsanden und dem Weißzement stimmt.
Vor Beginn der Arbeiten ist es ratsam, eine Musterfläche des späteren Bodens anzufertigen. So kann das richtige Gewichts- und Mischungsverhältnis ermittelt werden. Zugleich vermittelt das Muster dem Auftraggeber den optische Eindruck des fertigen Bodenbelags. So können auch noch Änderungswünsche zur Farbigkeit oder Einstreuung berücksichtigt werden.
Darüber hinaus werden auf dem Markt fertige Terrazzomischungen in unterschiedlichen Formen auf mineralischer oder Kunstharzbasis angeboten. Hier kann der Bauherr die spätere Optik des Bodens bereits vorab begutachten und auswählen.

Gesteinsarten und Körnungen für Terrazzoböden
Bei Terrazzoböden kommen verschiedene Gesteinsarten und Körnungen zum Einsatz, abhängig von gestalterischen und technischen Anforderungen. Für die verschiedenen Körnungen werden meist unterschiedliche Farben gewählt, um individuelle Designs zu ermöglichen. Die Wahl der Körnung beeinflusst nicht nur die Optik, sondern auch die Schichtdicke des Bodens und seine Schleifbarkeit.
Typische Gesteinsarten
Körnungsgrößen
Kunstharz-Terrazzo entwickelt sich derzeit zu einer beliebten Option in Bezug auf Bodenbeläge. Anstatt des traditionellen Zementanteils wird hier Kunstharz verwendet (Epoxidharz, Polyurethanharz oder Methylmethacrylat). Kunstharz-Terrazzo unterscheidet sich von handelsüblichem Terrazzo – er hat keine lange Trockenzeit, ist einfach zu installieren, ist witterungsbeständig und wasserdicht, daher ideal als Terrassenbelag und sehr widerstandfähig.

Dem Mischen von Terrazzoböden kommt eine entscheidende Bedeutung zu. Im klassischen Verfahren, bei dem die einzelnen Komponenten Stück für Stück zugegeben wird, kommt es auf Präzision und Materialkenntnis an. Auf Grund des hohen Gesteinsanteils eignen sich hierfü Zwangsmischer ideal für das Mischen des Terrazzos. Tellerzwangsmischer mit mehrarmigem Mischwerkzeug stellen eine gleichmäßige Verteilung der unterschiedlich großen Bestandteile, sowie der Feinstoffanteile in der Mischung sicher. Das korrekte Verhältnis von Zuschlagstoffen, Sand und Bindemittel hat maßgeblichen Einfluss auf die Festigkeit, das Schwindverhalten sowie die Schleifbarkeit des fertigen Bodens.
Im Unterschied zu den üblichen Werktrockenmörteln mit fester Rezeptur, ist beim Anmischen von klassischem mineralischen Terrazzo viel von der Erfahrung des Handwerkers abhängig. Gerade bei der Zugabe der Wassermenge spiele viele Faktoren eine Rolle. Beispielsweise hängt es von der Menge, der Körnung sowie dem jeweiligen Trocknungsgrad des Marmorkies ab wieviel Wasser notwendig ist.
Der Marmorkies wird auch zuerst in den Mischer gefüllt, anschließend folgt der/die Feinsand/e, Pigmente und abschließend der Weißzement. Die kontrollierte Wasserzugabe erfolgt dabei schrittweise. Die Qualität der Mischung und deren Konsistenz wird durch Augenschein beurteilt und erfordert Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Wie bei anderen zementhaltigen Materialien ist auch beim Terrazzo der Wasser-/Zementwert entscheidend. Zuviel Wasser in der Mischung sorgt für Risse im späteren Bodenbelag und kann ebenso zu Verfärbungen in der Zementmischung sorgen.
Jeder einzelne Schritt beeinflusst die Qualität und Langlebigkeit des Terrazzobodens. Die richtige Schichtstärke, eine fachgerechte Verarbeitung und ausreichend Zeit für die Aushärtung sind essenziell, um ein hochwertiges Ergebnis zu erzielen. Vor dem Einbringen des Terrazzos muss der Unterbeton sorgfältig vorbereitet werden, um einen kraftschlüssigen Verbund zu gewährleisten. Der Unterbeton wird gut vorgenässt, als Haftgrund folgt im Anschluss der Auftrag einer Zementschlämme.
Der Einbau des Terrazzobelags erfolgt je nach Flächengröße portionsweise. Aus diesem Grund wird auch nur immer so viel Material angemischt, wie gerade verarbeitet werden kann. Die Mischung muss während der Verarbeitung entsprechend feucht gehalten werden und darf nicht antrocknen. Der Terrazzo wird händisch eingebaut und mit einem Glättschwert verteilt und geglättet. Anschließend muss der Terrazzo gut verdichtet werden, zum Beispiel durch Walzen, um eine dichte Oberfläche zu erhalten und den späteren Schleifaufwand zu reduzieren. Aus Gründen der Gestaltung können zur Abgrenzung farblich unterschiedlicher Flächen, Mosaikbordüren eingebaut werden. Diese Mosaikbänder erfüllen gleichzeitig die Funktion als Dehnungsfugen entlang der verschiedenen Flächengrenzen.
Nach dem Einbau des Bodenbelags ist für die Trocknungsphase wichtig, dass die Flächen gegen zu schnelles Abtrocknen geschützt werden. Das geschieht beispielsweise durch das Abdecken der Fläche mit Folie. Direkte Sonneneinstrahlung oder Zugluft soll vermieden werden. Nach rund 14 Tagen ist der Terrazzo soweit getrocknet, dass mit der weiteren Bearbeitung gestartet werden kann.
Jetzt wird die Fläche mit einer geeigneten Schleifmaschine in mehreren Arbeitsgängen geschliffen. Dabei startet man mit einem Grobschliff und wechselt dann mit jedem Arbeitsgang auf feinere Schleifklötze um am Ende eine riefenfreie Oberfläche zu erhalten. Kleine Löcher in der Oberfläche werden verspachtelt und die gesamte Fläche z.B. mit Lithiumsilikat abgestreut – das verfestigt die Oberfläche und erhöht die Widerstandsfähigkeit.
Abschließend poliert man die Fläche je nach Kundenwunsch von seidenmatt bis hochglänzend. Das Resultat soll ein edler, glatter Fußboden sein, dessen Optik durch die einzelnen, bunten Gesteinszuschläge besticht.



Wegen seiner guten Wärmespeicherung sowie der guten Wärmeleitung ist der Terrazzoboden gut für Fußbodenheizungen geeignet. Damit sich der Terrazzo entsprechend den Temperaturen anpassen kann, muss er wie ein schwimmender Estrich verlegt werden.
Ein klassischer Terrazzoboden vereint Ästhetik und Funktionalität auf höchstem Niveau. Die richtige Zusammensetzung, sorgfältige Verarbeitung und Beachtung der Umgebungsbedingungen sind entscheidend für ein langlebiges und hochwertiges Ergebnis. Ob klassisch oder modern – Terrazzo bleibt ein zeitloser Bodenbelag mit vielseitigen Einsatzmöglichkeiten.